Thrombose: Ursachen, Behandlung & Vorbeugung

2 von 1000 Personen sind jährlich erstmals von einer Thrombose betroffen. In den folgenden Jahren ist ein Drittel dieser Patienten von einer weiteren Thrombose betroffen.

Was ist eine Thrombose?

Blut in VeneDer Begriff Thrombose wurde erstmals im 2. Jahrhundert von dem griechischen Arzt Galen erwähnt.

Als Thrombose wird der Verschluss eines Gefäßes durch ein Blutgerinnsel bezeichnet. Meistens bilden sich die Thromben in kleineren Gefäßen und wachsen dann weiter in größere Venen. Lösen sich die Gerinnsel von der Gefäßwand, werden sie in der Blutbahn verschleppt und erreichen wichtige Organe, wie Herz, Gehirn oder Lunge. Das Risiko eines Organversagens droht.

 

Welche Formen von Thrombose gibt es

Eine Thrombose kann in allen Gefäßen auftreten. Am häufigsten werden Venenthrombosen (Phlebothrombosen) diagnostiziert. Tiefe Venenthrombosen treten häufig im Verlauf einer Schwangerschaft auf. Sind Wade, Unterschenkel und Oberschenkel betroffen, wird dies auch als Etagenthrombose bezeichnet. Oberflächliche Venenthrombosen zeigen ein eher entzündliches Krankheitsgeschehen (Thrombophlebitis) Eine Thrombose der Sinusvenen im Gehirn kann einen Schlaganfall verursachen. Beckenvenenthrombosen treten häufig während Schwangerschaften auf. Losgelöste Gerinnsel können in die Lunge wandern und eine Lungenembolie verursachen.

Eine schwere Verlaufsform der Thrombose ist die Phlegmasia caerulea dolens. Alle Venen einer Extremität sind betroffen, die Extremität stirbt durch die fehlende Blutversorgung ab.

Seltener entstehen arterielle Thrombosen. Aortenthrombosen verlaufen häufig tödlich.

Eine Pfortaderthrombose der Leber tritt bei Leberzirrhose und Erkrankungen der Gallenblase auf. Die Durchblutungsstörung der Leber kann auch durch ein Magengeschwür ausgelöst werden.

 

Art der ThromboseUrsache
Arterielle ThromboseErhöhte Blutgerinnung, Gefäßschäden, Diabetes
Venöse ThromboseErhöhte Blutgerinnung, Gefäßschäden, Diabetes
Oberflächliche VenenthromboseBewegungsmangel, Flugreisen, Krampfadern
Tiefe VenenthromboseBewegungsmangel, Schwangerschaft, Gerinnungsstörungen
EtagenthromboseGerinnungsstörungen, Bewegungsmangel
MesenterialthromboseArteriosklerose
BeckenvenenthromboseSchwangerschaft
SinusvenenthromboseMeningitis, eitrige Entzündungen im Kopfbereich
LungenthromboseVerschleppter Thrombus aus Bein- und Beckenvenen
AortenthromboseHerzmuskelentzündung
PfortaderthrombosePankreatitis, Lebererkrankung, Lebertumoren
BasilaristhromboseArteriosklerose der Arteria basiliaris
AugenthromboseDiabetes, erhöhte Blutgerinnung
MilzvenenthrombosePankreatitis, Pankreastumor
NierenvenenthromboseDehydration, Nierenzellkarzinom, Antiphospholipid- Syndrom
AnalvenenthromboseSchwangerschaft, Sport, starkes Husten

 

Wie kann eine Thrombose entstehen?

Normalerweise befinden sich die Faktoren, die die Blutgerinnung hemmen beziehungsweise fördern, im Gefäßsystem in einem Gleichgewicht. Wird ein Organismus verletzt, wird das Gerinnungssystem aktiv. Die Blutgerinnung setzt ein, der Körper wird vor dem Verbluten geschützt, indem das Blut verklumpt und die Wunde verschließt.

Ist das Gleichgewicht gestört, bildet sich in dem Gefäß ein Gerinnsel, das den Blutstrom behindert. Eine Thromboembolie entsteht. Löst sich das Gerinnsel, wird der Thrombus in andere Organe verschleppt und verursacht dort einen Verschluss der kleineren Gefäße. Eine Lungenembolie, ein Herzinfarkt oder Schlaganfall können die Folge sein.

Steigt die natürliche Gerinnungsfähigkeit des Blutes pathologisch an, steigt auch das Risiko für Thrombosen.

 

Ursachen für das Entstehen einer Thrombose

 

  • Veränderte Strömungsgeschwindigkeit des Blutes: Eine Hypozirkulation, die Blutströmungsgeschwindigkeit ist verlangsamt, entsteht durch äußeren Druck (Quetschungen der Extremitäten), lange Bettlägerigkeit, langes Sitzen oder eine Erweiterung der venösen Gefäße (Varizen, Krampfadern)

 

  • Das Endothel der inneren Gefäßwand ist beschädigt: Durch traumatische Verletzungen, Operationen, Entzündungen oder altersbedingte Degeneration kann das Endothel, die innere Auskleidung der Gefäße, beschädigt werden. Vergiftungen mit Kohlenmonoxid oder Rauchen verursachen durch Sauerstoffmangel eine Schädigung des Endothels. Tumorinfiltrate können in die Gefäßwand einwachsen und Schäden verursachen. Bei Diabetes mellitus treten vermehrt Verkalkungen an den Gefäßwänden von größeren und kleineren Blutgefäßen auf. Die Gefäße sind weniger elastisch, Einrisse entstehen leichter.

 

  • Die Blutzusammensetzung ist verändert: Die Neigung zu einer verstärkten Blutgerinnung und einer verringerten Fähigkeit, Blutgerinnsel wieder aufzulösen, kann erblich bedingt sein. Die Blutgerinnung wird außerdem durch Medikamente, zum Beispiel Hormonpräparate, beeinflusst. Ebenso steigt in der Schwangerschaft infolge des veränderten Hormonspiegels die Neigung zu Venenthrombosen.

 

Welche Faktoren erhöhen das Risiko für die Entstehung einer Thrombose

  • Bewegungsmangel
  • lange Bettlägerigkeit
  • Rauchen
  • Medikamente, z. B. Anti- Baby- Pillen
  • Schwangerschaft
  • körperliche Anstrengung bei untrainierten Personen
  • Tumorerkrankungen
  • Verletzungen der Gefäße durch Venenkatheter
  • Drogenmissbrauch
  • Übergewicht
  • Exsikkose (Flüssigkeitsmangel)
  • Nierenerkrankungen
  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
  • bereits früher aufgetretene Thrombosen
  • Operationen
  • lange sitzende Tätigkeit mit angewinkelten Knien

 

Krankheitsbild: Wie äußert sich eine Thrombose?

Thrombosen kleiner Gefäße werden anfangs oft nicht bemerkt. Wächst der Thrombus oder werden Teile des Blutgerinnsels mit dem Blutstrom in andere Organe verschleppt, treten erste klinische Erscheinungen auf. Bei Beinvenenthrombosen ist die Extremität stark geschwollen und gerötet. Die Haut ist über der Schwellung gespannt und durch die schlechte Sauerstoffversorgung bläulich verfärbt.

Die geschwollene Stelle ist wärmer als die umliegenden Hautbezirke. Neben Spannungsgefühlen treten starke, ziehende, krampfartige Schmerzen auf, die durch Hochlagern der Extremität etwas gemildert werden. Eventuell ist der Puls nur mehr schlecht fühlbar. Die Lymphgefäße werden durch die Schwellung in Mitleidenschaft gezogen. Die Lymphe kann nicht mehr abfließen, die Schwellung verstärkt sich, Lymphödeme entstehen.

Wird das Blutgerinnsel in die Lunge verschleppt, werden Teile des Organs nicht mehr mit Sauerstoff versorgt. Atemnot, vor allem bei körperlicher Anstrengung tritt auf. Beim Einatmen werden starke Schmerzen im Bereich des Brustkorbs wahrgenommen. Angst und Gefühle der Beklemmung sind mit starken Schweißausbrüchen verbunden. Dem Auswurf bei chronischem Husten ist Blut beigemengt. Sind größere Lungengefäße betroffen, ist der Herzschlag beschleunigt, der Blutdruck sinkt und ein Kreislaufschock entsteht.

Eine Lungenembolie ist eine gefürchtete Komplikation nach Operationen, Verletzungen und Geburten.

Verstopft ein Thrombus ein Gefäß der Niere, stirbt das Nierengewebe in diesem Bereich ab. Werden größere Teile des Nierenparenchyms geschädigt, kann die Niere ihre Funktion als Ausscheidungsorgan nicht mehr erfüllen, die Symptome einer Niereninsuffizienz (Nierenschwäche) treten auf. Schadstoffe werden nur mehr ungenügend aus dem Blut gefiltert, der Harn wird in unkonzentrierter Form ausgeschieden. Der Körper trocknet aus, die Blutströmungsgeschwindigkeit wird weiter verlangsamt. Das Risiko für eine Entstehung weiterer Thromben steigt.

Bildet sich ein Thrombus in den Gefäßen des Gehirns ist ein Schlaganfall die Folge. Durch mangelnde Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen sterben Gehirnzellen ab. Plötzlich auftretende Taubheitsempfindungen und Lähmungen, Schwindelgefühle, starke Kopfschmerzen, Seh- und Sprachstörungen sind erste Hinweise auf einen Schlaganfall.

Gelangt ein Thrombus in die Blutgefäße, die den Herzmuskel versorgen, werden Teile des Herzmuskels nicht ausreichend versorgt und sterben ab. Im Brustbereich werden Schmerzen, Druck- und Engegefühle empfunden. Bereits bei geringer Belastung verstärken sich die Schmerzen. Die normale Erregungsleitung im Herzen funktioniert nicht mehr, Herzrhythmusstörungen sind im EKG erkennbar. Ist die Pumpleistung des Herzens eingeschränkt, entsteht eine Herzschwäche mit Atemnot, verminderter Leistungsfähigkeit und Ödembildung an den peripheren Extremitäten.

 

Wie erkennt man eine Thrombose?

Die Symptome einer Thrombose sind anfangs eher unspezifisch. Das Bein fühlt sich schwer und taub an. Wechselnde Schmerzen und Spannungsgefühle treten auf. Schwillt das Bein an, sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden.

Bei immer wieder auftretender Atemnot, vor allem unter leichter Belastung, sollte eine beginnende unvollständige Lungenembolie in Betracht gezogen werden.

 

Wie erfolgt die Diagnose bei einer Thrombose?

Die klinische Wahrscheinlichkeit des Vorliegens einer Thrombose wird nach dem System von Wells beurteilt:

SymptomeScore
Krebserkrankung1
Lähmung der Beine 1
Längere Bettruhe nach Operationen1
Schmerzen und Verhärtungen entlang der
Venen
1
Schwellung der Extremitäten1
Der Umfang der Unterschenkel ist
unterschiedlich, mehr als 3 cm
1
eindrückbares Ödem1
die Venen sind gut sichtbar1
frühere tiefe Beinvenenthrombosen1

Liegt der Score über 2 ist das Vorliegen einer tiefen Beinvenenthrombose wahrscheinlich. Liegt der Score unter 2 ist die Wahrscheinlichkeit einer Thrombose gering. Die meisten Venenthrombosen können mittels Doppler- Sonographie dargestellt werden. Bei unklaren Diagnosen muss eine Röntgenuntersuchung mit Kontrastmitteldarstellung der Gefäße (Phlebographie) durchgeführt werden.

Im Blut können mittels des D- Dimer- Tests Fibrinspaltprodukte, die bei dem Abbau von Thromben entstehen, nachgewiesen werden. Ein niedriger Risikoscore und ein negativer D- Dimer- Test helfen, eine tiefe Beinvenenthrombose mit hoher Wahrscheinlichkeit auszuschließen.

Differentialdiagnosen

  • Lymphangitis: Entzündung der Lymphgefäße
  • Lymphödem: Lymphflüssigkeit kann nicht abfließen und lagert sich im Gewebe ab
  • Muskelfaserriss: schmerzhafte Schwellung der Muskulatur
  • PAVK – periphere arterielle Verschlusskrankheit: Verschluss der Arterien durch Arteriosklerose
  • Gefäßspasmen
  • Raynaud- Syndrom: Störung der Durchblutung der Extremitäten
  • Morbus Winiwarter Buerger: schmerzhafte Entzündung kleiner Gefäße in den unteren Extremitäten
  • Thrombophlebitis: Entzündung der Venen
  • Erysipel: Infektion der Haut durch Streptokokken, Rotlauf
  • Acrodermatitis atrophicans: Infektion mit Borrelien
  • Lumboischialgie: Nervenschmerzen strahlen in die Beine aus
  • Gichtanfall: schmerzhafte Schwellung der Gelenke
  • Rheuma: schmerzhafte Schwellungen von Muskulatur und Gelenken
  • Verletzungen: Schwellungen nach einem Trauma
  • Ergotismus: Krämpfe der Gefäßmuskulatur bei Vergiftungen mit Mutterkorn
  • Hämorrhoiden
  • Kompartmentsyndrom: erhöhter Gewebedruck nach einem Trauma führt zu einer verringerten Durchblutung und Schwellung bei intakter Haut

 

Wie gefährlich ist eine Thrombose

In Deutschland werden aufgrund von Hochrechnungen einer Studie von Cohen 100.000 Todesfälle infolge einer Thrombose / Jahr geschätzt.

Ein Blutgerinnsel führt zu einem teilweisen oder vollständigen Verschluss eines Blutgefäßes. Das Gewebe wird nicht mehr genügend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Die Zellen sterben ab.

Lösen sich die Thromben von der Gefäßwand, können sie mit dem Blutstrom in andere Organe wandern. Werden Teile des Blutgerinnsels (Emboli) abgelöst, wandern diese in kleine Gefäße, bleiben stecken und unterbinden den Blutfluss. Eine Lungenembolie, ein Herzstillstand oder Schlaganfall mit tödlichem Ausgang können die Folge sein.

Warten sie bei plötzlich auftretenden Symptomen nicht ab. Lagern sie die betroffene, schmerzhaft geschwollene Extremität hoch und suchen sie so schnell wie möglich einen Facharzt auf.

Nicht jede Thrombose hat tödliche Folgen. Körpereigenes Heparin ist in der Lage, Blutgerinnsel aufzulösen. Da diese Auflösung keinerlei körperliche Symptome hervorruft, kann nicht beurteilt werden, wie häufig dieser Vorgang stattfindet.

Beim Auftreten klassischer Thrombose- Symptome benötigen sie immer schnelle, ärztliche Hilfe.

 

Welche Folgen hat eine Thrombose – Postthrombotisches Syndrom

Abhängig von der Lokalisation des Thrombus ist der Blutstrom zum Herzen oder der Blutfluss zu den Geweben beeinträchtigt. Entsteht der Thrombus in einer Arterie ist das schlecht durchblutete Gewebe blass und kalt. Bleibt die Sauerstoffversorgung für einen längeren Zeitraum unterbrochen, entsteht ein Infarkt. Das Gewebe stirbt ab.

Bei einem venösen Gefäßverschluss können Blut und Gewebeflüssigkeit nicht mehr genügend abtransportiert werden.

Die betroffenen Bezirke sind geschwollen und gerötet.

Erfolgt bei einer Beinvenenthrombose keine Behandlung, verwächst das Blutgerinnsel mit der Gefäßwand. Nach einiger Zeit wird das Gewebe des Thrombus löchrig und teilweise durchlässig. Die Vene ist aber nicht komplett wiederhergestellt. Durch den verringerten Blutfluss entsteht ein Rückstau des Blutes. Der Druck in der Vene ist erhöht. Die Muskulatur der Venenwände verdickt sich, die Klappen schrumpfen. Obwohl andere Venen einen Teil der Aufgaben übernehmen, ist die Extremität geschwollen und fühlt sich schwer an. Rötungen und chronische Hautentzündungen treten häufig auf. Es besteht eine erhöhte Neigung zu Folgethrombosen. Die Venen weiten sich aus. Krampfadern bilden sich. Der Blutstau reizt die Gefäßwände der oberflächlichen Beinvenen. Die Gefäße entzünden sich (Thrombophlebitis).

Die schwerwiegendste Folge einer Thrombose ist ein nur schlecht heilendes Geschwür im Bereich des Unterschenkels (Ulcus cruris). Durch den gestörten Abfluss des Blutes ist das Gewebe geschwollen und gestaut. Eine offene Hautwunde, „offenes Bein“, entsteht.

Die gefährlichste Folge einer tiefen Beinvenenthrombose ist eine Lungenembolie. Ein abgelöstes Blutgerinnsel wird mit dem Blut in die Lunge gespült. Durch die plötzliche Überlastung des Herzens tritt ein Herzstillstand ein. Kleine Lungenembolien verlaufen häufig ohne sichtbare Symptome. Größere Embolien sind meistens sofort tödlich.

 

Thrombose Therapie

Erfolgt die Therapie innerhalt der ersten fünf Tage, kann das Blutgerinnsel meistens vollständig durch Medikamente aufgelöst werden. Daher gilt: Je früher eine Behandlung einsetzt, umso größer sind die Erfolgsaussichten.

Kompressionstherapie

Sowohl bei einer oberflächlichen als auch bei einer tiefen Venenthrombose wird ein straff sitzender Kompressionsverband angelegt. Sobald das Bein nach ungefähr 10 Tagen abgeschwollen ist, kann der Verband gegen einen Kompressionstrumpf der Klasse 2 getauscht werden. Durch den äußerlich ausgeübten Druck von 25 – 30 mm Hg wird das weitere Wachstum des Blutgerinnsels unterdrückt. Der Blutstrom zum Herzen wird beschleunigt.

Durch die Kompressionstherapie wird die schmerzhafte Schwellung gemildert. Die körpereigene Auflösung des Thrombus (Lyse) wird gefördert, das Risiko für eine Lungenembolie sinkt. Wird ein Kompressionsstrumpf über einen längeren Zeitraum getragen, kann die Entstehung des postthrombotischen Systems verhindert werden.

Antikoagulantien

Ein wesentlicher Teil der Therapie besteht in der Verabreichung von Substanzen, die die Blutgerinnung hemmen. Meistens wird das Präparat Heparin eingesetzt. Heparin senkt die Blutgerinnung und verhindert die Entstehung weiterer Thromben. Die Auflösung bereits bestehende Gerinnsel ist durch Heparin kaum möglich.

Heparin wird angewendet, um ein erhöhtes Thromboserisiko nach Operationen und bei Bettlägerigkeit zu verhindern. Im Akutfall kann das Präparat gemeinsam mit einer Infusion direkt in die Vene gegeben oder subkutan (unter die Haut) gespritzt werden.

Was tun bei einer Heparin- Allergie?

Durch Sensibilisierung des Immunsystems können auf Heparin- Injektionen allergische Nebenwirkungen auftreten. Durch Ausschüttung von Histaminen entsteht ein juckender Hautausschlag. An den geröteten Hautstellen sind Blutungen sichtbar. Durch Gefäßödeme sind die Atemwege verengt, asthmatische Anfälle treten auf. Ein anaphylaktischer Schock auf Heparin ist eher selten.

Die allergischen Reaktionen können sowohl durch hochmolekulares als auch durch niedermolekulares Heparin ausgelöst werden.

Als Ersatz für Heparin stehen synthetische Heparine, wie Pentosanpolysulfat oder Orgaran, zur Verfügung. Die Präparate sind auch für Allergiker gut verträglich.

Nach einigen Tagen erfolgt die Umstellung auf ein Medikament, Marcumar, das oral eingenommen werden kann. Bei einer längeren Anwendung muss der gerinnungswert über eine Blutuntersuchung regelmäßig überprüft werden.

Heute sind weitere orale Medikamente erhältlich, bei denen keine Blutuntersuchung mehr durchgeführt werden muss.

Um einen bestehenden Thrombus aufzulösen, oder die Bildung neuer Thromben zu verhindern, müssen die oralen Antikoagulantien zwischen drei und zwölf Monaten angewendet werden.

Während des Therapiezeitraumes besteht eine erhöhte Blutungsneigung. Auch kleine Verletzungen können zu starken Blutverlusten führen.

Thrombolyse

Thrombolytika, Streptokinase, Urokinase, werden angewendet, um bereits bestehende Gerinnsel aufzulösen. Die mehrtägige Therapie ist mit einem hohen Risiko für schwere Blutungen verbunden. Patienten, die älter als 55 Jahre sind, sollten sich keiner Lyse- Behandlung unterziehen, da das Risiko für Hirnblutungen sehr hoch ist.

Je länger der Thrombus besteht, umso geringer ist die Chance, diesen vollständig aufzulösen. Eine erfolgversprechende Therapie sollte in den ersten fünf Tagen durchgeführt werden.

Thrombektomie

Der Thrombus wird unter Narkose operativ aus dem Gefäß entfernt. Die Operation wird meistens nur bei schweren Beckenvenenthrombosen durchgeführt. Länger bestehende Blutgerinnsel, die bereits mit der Venenwand verwachsen sind, können nicht operativ entfernt werden. Anschließend wird eine Therapie mit Antikoagulantien und eine Kompressionstherapie durchgeführt.

Für die Operation stehen verschiedene Techniken zur Verfügung: Ballonkatheter, offene Thrombektomie, Kompressionsthrombektomie und Bildung einer arteriovenösen Fistel.

Da die Operation mit hohen Risiken verbunden ist, gehört sie nicht zu den Standardbehandlungen.

 

Nachbehandlung nach Thrombosen

Nach Abklingen der Akutsymptomatik und Einstellung der Antikoagulantien kann die Heilung durch folgende Maßnahmen beschleunigt werden:

 

  • Lymphdrainagen: Der Abfluss der Gewebeflüssigkeit wird beschleunigt, Schwellungen klingen schneller ab. Lymphdrainagen dürfen nicht bei Herzschwäche angewendet werden.
  • CO2 Trockengasbäder: Das Kohlensäurebad lindert Schmerzen und Entzündungen. Verspannungen der Muskulatur werden gelöst und die Venenwände gestärkt.
  • Ozon- Eigenblutbehandlungen: Die Eigenblutbehandlung mit Ozon wird bei Durchblutungsstörungen eingesetzt. Abgenommenes Blut wird mit Ozon angereichert.  Die roten und weißen Blutkörperchen werden aktiviert, der Sauerstoff im Blut wird aufgebraucht. Das angereicherte Blut wird dem Körper wieder über eine Infusion zugeführt.
  • Venengymnastik: Bereits 10 Minuten Venengymnastik pro Tag regen den Blutfluss zum Herzen an und unterstützen die Herzfunktion. Durch die Aktivierung der Muskel- Venen- Pumpe erhalten müde und geschwächte Beine wieder Energie.

 

Heilbehelfe bei Thrombose

Um das Blut aus den erweiterten Venen rascher abfließen zu lassen, können Kompressionsstrümpfe eingesetzt werden. Diese verringern nach Operationen und Bettlägerigkeit das Risiko der Thrombenbildung. Vorbeugend können sie als Sportstützstrümpfe und Reisestützstrümpfe eingesetzt werden.

 

Wie kann einer Thrombose vorgebeugt werden?

Durch Physiotherapie und regelmäßige Bewegung werden die Venenwände gestärkt. Venengymnastik unterstützt den ordnungsgemäßen Blutfluss in den Beinen. Bei sitzender beruflicher Tätigkeit sollten immer wieder Pausen zur Durchführung gymnastischer Übungen eingelegt werden. Auf längeren Flugreisen helfen Kompressionsstrümpfe, das Thromboserisiko zu verringern.

 

Vorbeugung durch alternative Heilmethoden:

  • Durch Phytotherapie werden die Gefäße möglichst lange gesund und kräftig erhalten.
  • Ginko- Blatt- Extrakte verbessern die Fließeigenschaft des Blutes. Die Durchblutung wird gefördert. Den Zellen steht mehr Sauerstoff zur Verfügung.
  • Buchweizen- Tee stärkt die Gefäßwände. Das im Tee enthaltene Rutin verringert Durchblutungsstörungen, Flavonoide (Antioxidantien) hemmen Entzündungsvorgänge.
  • Homöopathie: Lachesis unterstütze die Abheilung der Venenentzündung und der geröteten Hautstellen. Carbo vegetabilis wird bei Krampfadern und Hämorrhoiden eingesetzt. Secale und Tabacum fördern die Durchblutung.
  • Schüsslersalze: Magnesium fluoratum regt den Lymphfluss an und lindert Schwellungen.
  • Hausmittel: Rosmarinbäder fördern die Durchblutung. Die Gefäßwände werden durch Wechselduschen mit kaltem und heißem Wasser gestärkt. Quarkwickel lindern Entzündungen.

Bei chronischen Durchblutungsstörungen können Salzsocken angewendet werden. Die Socken werden in Salzwasser getränkt und unter warmen Baumwollsocken 30 Minuten getragen. Anschließend werden die Salzreste abgespült.

Übergewicht fördert die Bildung von Thromben. Durch regelmäßige Bewegung kann zu hohem Gewicht und Venenthrombosen vorgebeugt werden.

Ändern sie ihren Lebensstil. Lassen sie sich bezüglich Ernährung und Bewegung von einem Arzt beraten.

 

Ansprechpartner für Thromboseerkrankungen

Der erste Ansprechpartner ist meistens der Hausarzt. Im Bedarfsfall erfolgt die Überweisung zu einem Facharzt für Phlebologie.

Für die Anleitung zur korrekten Durchführung einer Venengymnastik stehen ihnen Physiotherapeuten zur Verfügung.

 

Durch welche Events wird auf Thrombosen aufmerksam gemacht?

  • Weltthrombosetag: Das Aktionsbündnis Thrombose klärt jährlich über Thromboseerkrankungen und damit assoziierte Krebserkrankungen auf. Das Aktionsbündnis Thrombose wurde von der deutschen Gesellschaft für Angiologie gegründet.. Zusätzlich finden mehrmals jährlich Aktionstage zur Gefäßgesundheit statt.
  • Kampagne Risiko Thrombose: Der bundesweite Aktionstag dient der Aufklärung und Prävention von Gefäßkrankheiten. An der Kampagne sind Klinken, Ordinationen, Apotheken und Sportvereine beteiligt.

 

Fazit

Bei einer Thrombose handelt es sich um eine lebensbedrohliche Erkrankung, die sofort von einem Arzt behandelt werden muss. Eine erfolgversprechende Therapie muss innerhalb der ersten fünf Tage erfolgen.

Ein gesunder Lebensstil mit natürlicher Ernährung und ausreichend Bewegung senkt das Risiko für die Entstehung von Thrombosen.